Archiv der Kategorie: Internes

DSM erarbeitet Forderungskatalog für die Landtagswahlen

Sachsen droht mit der Landtagswahl eine politische Machtverschiebung. Um die Interessen von Migrant*innen zu schützen, erarbeitet der DSM einen Foderungskatalog. Dieser wird in Werkstattgesprächen in Chemnitz, Dresden und Leipzig im Dialog mit lokalen Akteur*innen erarbeitet. Das nächste Gespräch findet am 22. Juli in Chemnitz statt.

Ob mit internationaler Biografie oder Familiengeschichte: (Post)Migrant*innen, Neue Sachs*innen, Bindestrichdeutsche oder Geflüchtete gestalten und beleben Sachsen – jeden Tag. Doch sind die Mitsprachemöglichkeiten im Freistaat noch immer zu wenig ausgeprägt. Mit einer drohenden Machtverschiebung nach der Landtagswahl ist zu befürchten, dass sich die Lebensbedingungen einer großen Minderheit zusätzlich verschlechtern werden.

Aus diesem Grund lädt der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. (DSM) an vier Werkstattgesprächen ein, im Dialog einen Forderungskatalog zu erarbeiten, der noch vor der Landtagswahl öffentlichkeitswirksam der Politik übergeben wird. Ziel muss es sein, Politiker*innen egal welcher politischen Couleur sachlich detailliert und verständlich unsere Interessen klar zu machen und sie aufzufordern, diese innerhalb der nächsten Legislatur umzusetzen.

Wie funktioniert das Werkstattgespräch?

Die vier Werkstattgespräche dauern jeweils vier Stunden und befassen sich je nach Expertise und Interesse der Teilnehmenden mit 3-5 aus 8 verschiedenen Themenfeldern. Dieser Austausch ist für die Arbeit des DSM essentiell, ergebnisoffen und soweit wie möglich teilnehmergeleitet. Aufgrund der großen Vielfalt an Themen wird die Zeit jedoch weder reichen, um alle Themenfelder in aller Tiefe zu diskutieren, noch alle Aspekte eines Themenfeldes vor Ort zu betrachten. Deshalb ist es auch möglich, auf unserer Webpage unter der Rubrik Werkstätten den Forderungskatalog online mitzugestalten.

An wen richtet sich die Veranstaltung?

Der DSM freut sich auf eine rege Beteiligung und eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Sowohl DSM-Verbandsmitglieder wie auch Migrantenbeirät*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen im Bereich Migration, Integration und Inklusion sind herzlich dazu eingeladen, den Forderungskatalog aktiv mitzugestalten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Froh sind wir um eine Anmeldung via Webformular über diesen Link.

Die weiteren Termine:

Chemnitz: Montag, 22. Juli, 16-20 Uhr, Haus der Kulturen, Karl-Liebknecht-Straße 15-17
Dresden: Fr, 26.07.2019, 16-20h, ZMO Jugend e.V., Kipsdorfer Str. 100
Leipzig: Do, 01.08.2019, 16-20h, Gesellschaft für Völkerverständigung, Werk 2, Kochstraße 132

 

DSM erarbeitet Forderungskatalog für Landtagswahlen

Ob mit internationaler Biografie oder Familiengeschichte: (Post)Migrant*innen, Neue Sachs*innen, Bindestrichdeutsche oder Geflüchtete, wir gestalten und beleben Sachsen – jeden Tag. Doch sind unsere Mitsprachemöglichkeiten im Freistaat noch immer zu wenig ausgeprägt. Es wird für uns entschieden, über uns diskutiert. Dabei wissen wir ganz genau wo uns der Schuh drückt, welche Bedürfnisse wir haben und was wir von der Politik einfordern.

Mit drei Werkstattgesprächen in Leipzig, Dresden und Chemnitz geben wir unseren Bedürfnissen Raum. Das erste findet statt am 15. Juni 2019 im Werk 2 in Leipzig. Gemeinsam mit wichtigen Akteuren lokaler Migrantenorganisationen laden wir ein zum Gespräch, um im Dialog einen Forderungskatalog zu erarbeiten. Die Priorisierung der einzelnen Forderungen wird auf der Website des DSM möglich sein. Der endgültige Forderungskatalog soll vor den Landtagswahlen am 01. September 2019 öffentlichkeitswirksam der Landesregierung und der sächsischen Politik präsentiert und übergeben werden.

Besonders in Zeiten, in denen Intoleranz und Diskriminierung zunehmen, ist es unabdingbar, gemeinsam für eine Politik des respektvollen Miteinanders zu werben. Davon profitiert ganz Sachsen. Unser Ziel muss deshalb sein, auch jenen Menschen eine Stimme geben, die selber nicht an die Urnen gehen dürfen und Forderungen zu stellen, an welchen keine mögliche zukünftige Landesregierung vorbei regieren kann.

Anmeldung: Wir bitten Sie um eine Anmeldung ihrer Teilnahme unter: https://forms.gle/NwKxkhsEUwHpvXoG8 oder per Mail an info@dsm-sachsen.de

Datum: 15. Juni 2019

Ort: Werk 2, Kochstraße 132, 04277 Leipzig

Zeit: 10:00 – 14:00

 

Ausschreibung Bundesfreiwilligendienst beim Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V.

Als anerkannter Träger des Bundesfreiwilligendienstes schreibt der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. vorbehaltlich der Richtlinie zum Bundesfreiwilligendienst (Veröffentlichung für Januar 2019 geplant) und der Mittelbewilligung aktuell zwei Bundesfreiwilligendienststellen aus. Der Einsatzbeginn ist für den 01.03.2019 am Dienstort Dresden geplant.

Im Folgenden finden Sie die Ausschreibungen:

Schwerpunktthema Unterstützung des DSM

Stellenausschreibung_BFD_BüroDresden_2019

Schwerpunktthema politische Bildung und Teilhabe von Migrant*innen in Sachsen

Stellenausschreibung BFD_politischeBildung_2019

Wir freuen uns über Ihre Bewerbungen bis zum 05.01.2019

MigrantInnen für Leipzig: Demokratie ist Recht für alle! Petition zur direkten Wahl des Migrantenbeirates beim Bürgermeister eingereicht

Am Dienstag (13.11.18) wurde dem Oberbürgermeister der Stadt Leipzig Herrn Burkhard Jung,
eine Petitionsliste mit über 300 Unterschriften von der Initiative "MigrantInnen für Leipzig"
überreicht. Die Petition ruft die Stadtverwaltung und den Stadtrat dazu auf, sich für eine Wahl
der Vertreterinnen und Vertreter des Migrantenbeirats einzusetzen.
Der Migrantenbeirat nimmt die Interessen der Leipziger Migrantinnen und Migranten
gegenüber städtischen Gremien wahr und hat Beratungsfunktion in integrationsrelevanten
Aufgaben. Bisher werden dessen Mitglieder vom Stadtrat nach nicht transparenten Kriterien
ernannt. Eine direkte Wahl des Gremiums würde die Legitimation des Beirats erhöhen und
somit einen Weg schaffen, nicht-wahlberechtigten Migrantinnen und Migranten die
Möglichkeit der politischen Partizipation zu ermöglichen. In Leipzig existiert dieser Beirat seit
2009 und hat aktuell 12 Vertreter*innen sowie 6 Mitglieder aus den Stadtratsfraktionen.
Seit 2012 setzt sich der Migrantenbeirat für eine direkte Wahl seiner Mitglieder ein. 2014
folgte der Stadtrat dem Vorschlag des Beirats und beauftragte die Stadtverwaltung ein
Wahlverfahren zu erarbeiten. (https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1000227)
Die Verwaltung legte im September 2018 einen Vorschlag zum „Verfahren zur Einrichtung des
Migrantenbeirates der Stadt Leipzig für die VII. Wahlperiode“ vor.
(https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1011089) Irgendjemand erklärt: „Die
Verwaltung schlägt entgegen langer Debatten und Beschlüsse damit vor, dass der
Migrantenbeirat weiter benannt wird. Vorgesehen ist lediglich eine Qualifizierung und
Transparenz des Auswahlverfahrens. Damit übergeht die Stadtverwaltung die
Willensbekundungen aus dem Migtrantenbeirat und dem Stadtrat. Das ist ein Affront!“
Der Migrantenbeirat hat inzwischen einen Änderungsantrag
(https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1011106) vorgelegt, mit der zur
Stadtratssitzung am 22. November für eine direkte Wahl plädiert wird.
"Migranten sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Leipziger Bevölkerung. Mehr als 15 % der
Bevölkerung in Leipzig hat einen Migrationshintergrund. Die Wahl der Mitglieder des
Migrantenbeirats ist ein klarer Ausdruck eines politischen Willen, die Migranten echt an dem
gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt zu beteiligen. Eine Verweigerung dieses
Rechts wäre ein Armutszeugnis und stünde dem guten Ruf unserer Stadt als eine interkulturelle
Und bunte Stadt nicht gut zu Gesicht". So Hassan Zeinel Abidine, Vorsitzender der Syrienhilfe
e.V. und Gesellschaft für Völkerverständigung e.V.
Die Petition unterstützt diese Forderung (https://www.change.org/p/migrant-innen-inleipzig-sollen-ihren-eigenen-beirat-w%C3%A4hlen-d%C3%BCrfen
). Die Petition zur Wahl der
Migrantenvertreter wird noch bis zum 22.11.2018 online durchgeführt; bisher sind dort über
630 Unterschriften gesammelt worden. Zur nächsten Stadtratssitzung am 22.11.2018 sollen
diese Unterschriften ebenfalls bei den Stadtverordneten eingereicht werden und somit den
Interessen der Migrantinnen und Migranten Nachdruck verliehen werden.

Einladung zur Multiplikatorenschulung: Kommunikation, Rhetorik und Moderation

Einladung zur nächsten und für dieses Jahr letzten Multiplikatorenschulung des DSM

Wochenendseminar im Rahmen des Projekts “Förderung der Vereinsarbeit von Migrantenorganisationen durch Schulung von Ehrenamtlichen”

Projekt: Multiplikatorenschulungen in der Integrationsarbeit 2018

01.12. – 02.12.2018                                                          

Thema: Kommunikation, Rhetorik und Moderation

Zielgruppe: ehrenamtliche Mitarbeiter*innen der Mitgliedsorganisationen des DSM und anderer Migrant*innenorganisationen

Programm :
1. Tag: 01.12.2018

  • Arten und Ebenen der Kommunikation
  • Interkulturelle Aspekte der Kommunikation
  • Interkulturelle Missverständnisse und Ideen zu ihrer Überwindung
  • Rhetorische Grundlagen: Wie trete ich sicher und überzeugend auf?
  • Übung: Eine Rede halten
  • Rhetorische Grundlagen: Argumentieren
  • Übung: Argumentieren

2. Tag: 02.12.2018

  • Erfahrungsaustausch: Welche Herausforderungen habe ich beim Moderieren bisher erlebt?
  • Reflexion: Meine Rolle als Moderatorin/ Moderator
  • Was macht eine gute Moderation aus?
  • Mögliche Anlässe und Ziele von Moderation
  • Methoden- und Materialkoffer für Moderation
  • Moderationsübung: Gemeinsam Entscheidungen treffen

Die Anmeldung bitten wir bis zum 23.11.2018 verbindlich bei den Veranstaltungsorganisatorinnen einzureichen. Bitte um Angabe des Namens, Institution/Funktion, Anschrift, Teilnahme an einem oder beiden Tagen.

Anmeldung:
Tel.: 0351 – 65219588 (Mo – Fr)
Fax: 0351 – 646 35 88
Email: integration-plus-ins[@]gmx.de
www.dsm-sachsen.de

 

Praktikumsausschreibung des Dachverbandes sächsischer Migrantenorganisationen

Wir suchen derzeit nach einem Praktikanten oder einer Praktikantin für das Netzwerk der MigrantInnenbeiräte in Sachsen, für bis zu drei Monate. (Dienstort Leipzig)

Im April 2017 wurde der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. in Dresden unter Beteiligung von 42 MigrantInnenorganisationen als gemeinsame Stimme von MigrantInnen für MigrantInnen etabliert. Er ist die Interessenvertretung sächsischer MigrantInnenorganisationen – landesweit tätig, demokratisch, überparteilich und überkonfessionell und versteht sich als nachhaltiges Instrument für eine erfolgreiche Integration gemäß dem Leitgedanken „Nicht Nebeneinander, sondern Miteinander“.

Der Integrationsprozess in Sachsen wird ohne die aktive Beteiligung von MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund keinen nachhaltigen Erfolg haben. Seit der Gründung konnte der Dachverband sächsischer Migrantenorganisation e.V. erfolgreich zahlreiche Projekte umsetzen.

Seit Anfang Oktober existiert der Netzwerk der MigrantInnenbeiräte mit folgenden Aufgaben, u.a.:

– Unterstützung von AkteurInnen auf kommunaler Ebene bei der Etablierung von MigrantInnenbeiräten, z.B. bei Gesprächen mit Kommunalpolitiker-Innen, Verwaltung

– Beratung zur konzeptionellen Ausgestaltung kommunaler MigrantInnen-beiräte, z.B. Berufungsverfahren bzw. Wahlen, Funktion des Beirats, verankerte Rechte des Beirats

– Organisation, Durchführung und Dokumentation von Netzwerktreffen und Fachveranstaltungen

Zur Unterstützung dieses Netzwerks wird eine/r PraktikantIn gesucht. Die Tätigkeiten eines/einer PraktikantIn umfassen vordergründig assistierende Tätigkeiten, wie zum Beispiel Protokolle vom Vernetzungstreffen schreiben, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen mitorganisieren.

Wir bieten Einblicke in die sächsische Kommunalpolitik, besonders in den Prozess der Gründung von Beiräten. Je nach Praktikumszeitraum haben Sie die Möglichkeit, große Vernetzungstreffen mit PolitikerInnen und AktivistInnen in Sachsen zu besuchen und unsere Workshoparbeit bzw. unsere Netzwerkveranstaltungen zu unterstützen. Uns ist dabei eine zuverlässige und selbständige Mitarbeit wichtig.

Bewerbung bitte ausschließlich per E-Mail an: Mohamed Okasha (Netzwerkkoordinator) m.okasha[@]dsm-sachsen.de

Einladung zur Jahreskonferenz des DSM am 3.11.2018

Der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. lädt herzlich zu seiner
Jahreskonferenz 2018 ein! Es erwartet Sie ein spannendes Programm aus Vorträgen und
Workshops zu Themen, die für migrantische Communities und Migrant*innenorganisationen
immer wieder und besonders in diesen politisch dynamischen Zeiten von Belang sind.
Was ist Ihnen wichtig – in Sachsen, im kommenden Wahljahr, zur Umsetzung politischer
Teilhabe? Kommen Sie vorbei, beteiligen Sie sich an den Diskussionen, lassen Sie uns wissen,
was Sie bewegt. Denn: gemeinsam sind wir stärker, nicht nebeneinander, sondern
miteinander!

Das vollständige Programm finden Sie hier: Einladung zur DSM Jahreskonferenz 2018 am 3.11.2018 in Leipzig

Die Jahreskonferenz findet in den Räumlichkeiten der Volkshochschule
Leipzig, Löhrstraße 3-7, 04105 Leipzig, statt. Die Teilnahme ist kostenlos, ein Mittagsimbiss
wird zur Verfügung gestellt. Bitte melden Sie sich zur optimalen Planung bis zum 01.11.2018
mit Angabe Ihres Wunsch-Workshops unter anmeldung@dsm-sachsen.de an.
Am 04.11.2018, 09:00 – 15:30 findet, ebenso in der Volkshochschule Leipzig, die
Mitgliederversammlung des DSM statt. An der Mitgliederversammlung können auch
Interessierte als Zuhörer*innen teilnehmen.
Fahrtkosten können im Rahmen des Projektes „Etablierung und Stärkung des Dachverbandes
sächsischer Migrantenorganisationen e.V.“ erstattet werden. Vertreter*innen unserer
Mitgliedsorganisationen können zusätzlich bei Aufwendung zur Übernachtung vom
03.11.2018 zum 04.11.2018 unterstützt werden. Bitte informieren Sie uns so schnell wie
möglich, wenn Sie diese Unterstützung in Anspruch nehmen möchten.
Wir freuen uns auf Sie!

Posititionierung des Dachverbandes sächsischer Migrantenorganisationen e.V. anlässlich des Tages der Pflege 2018

Ausländische Pflegekräfte nicht als Kitt eines maroden Pflegesystems ausnutzen. Solidarität mit allen Pflegenden!

Am 12.5.2018 fand anlässlich des Tages der Pflege in Dresden erstmals ein sog. „Walk of Care“ statt. Der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. unterstützt die Forderungen nach besseren Bedingungen für Pflegende und Patient_innen.

Ein zentrales und vieldiskutiertes Problem des Pflegesystems in Deutschland und v.a. in Sachsen ist der Mangel an Alten- und Krankenpflege(fach)kräften. Die Ursachen sind vielfältig und die Entwicklung ist nicht überraschend. Denn demographisch gehört Sachsen zu den „ältesten“ Bundesländern. Außerdem weist Sachsen eine der höchsten Quoten an stationärer Unterbringung von Pflegebedürftigen auf. Natürlich betrifft die „Alterung“ der Gesellschaft auch die Beschäftigten im Pflegesektor selbst. Alle werden älter, natürlich auch das Pflegepersonal.

Zudem gibt es in Deutschland erhebliche Lohndifferenzen –mit Sachsen am Ende der Skala. Auch deshalb ist eine pflegerische Tätigkeit in Sachsen aus monetären Gründen vergleichsweise unattraktiv. Deutlich wurde das Problem gerade Anfang des Jahres 2018, als in mehreren Altenpflegeheimen in Sachsen ein Aufnahmestopp verhängt wurde, weil die Fachkräftequote nicht eingehalten wurde. In Sachsen fehlen laut Medienberichten (Freie Presse vom 25.4.2018) bundesweit die meisten Altenpfleger_innen, aber auch viele Krankenpfleger_innen.

Bisherige Strategien zur Behebung des Pflegekräftemangels waren nicht erfolgreich. Eine Erhöhung der Ausbildungsquote zum Beispiel würde nicht verhindern, dass die dann gut ausgebildeten Fachkräfte aus Sachsen abwandern. Zudem ist es kaum möglich Pflegeerwerbsarbeit und eigene Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege zu vereinbaren. Die eher halbherzig gemeinte Initiative „Pro Pflege Sachsen“ der sächsischen Staatsregierung im Frühjahr 2014 wurde von den relevanten Akteuren im Feld (z.B. dem sächsischen Pflegerat) kaum ernst genommen und verlief im Sande. Auch der zunehmende Trend einer Akademisierung von Pflegeberufen kann nicht das eigentliche Problem lösen: das Fachkräfte in der Arbeit an den Patient_innen/Pflegebedürftigen fehlen.

Während ausländische Pflegekräfte bereits seit vielen Jahren nach Deutschland und teilweise nach Sachsen kommen, häufen sich in letzter Zeit Presseberichte über verschiedenste breiter angelegte Anwerbemaßnahmen zur Gewinnung ausländischer Pflegekräfte für die sächsische Pflege. Leider fehlen flächendeckende Statistiken. Grundsätzlich begrüßen wir den Einsatz ausländischer Pflegefachkräfte und Pflegekräften mit Migrationsgeschichte.

Der Zeitpunkt der Anwerbemaßnahmen jedoch und die Erfahrungen zeigen, dass es hier scheinbar auch darum geht, den Status quo des Systems zu belassen und notwendige Änderungen im Pflegesektor aufzuschieben. Während die anfangs wenigen ausländischen Pflegekräfte in Sachsen zunächst v.a. aus Osteuropa kamen, gab es im Zuge der ökonomischen Krise in Südeuropa vermehrte Anwerbungen sächsischer Pflegeanbieter in Spanien, Griechenland und Italien. Als jene meist akademisch ausgebildeten Pflegekräfte die tatsächlichen Bedingungen vor Ort sahen, kehrten viele Sachsen und/oder Deutschland wieder den Rücken, um in westdeutsche Bundesländer oder ins europäische Ausland zu gehen.

Zuletzt gab es in Sachsen schließlich Anwerbungen von Pflegekräften und vor allem Altenpflege-Azubis aus Vietnam. Argumentiert wurde dabei u.a. mit den historischen Bindungen zwischen Ostdeutschland und Vietnam sowie rassistischen Zuschreibungen in Bezug auf die vermeintlich „kulturelle Passung“ von Vietnames_innen für Tätigkeiten in der Pflege. Jedoch handelte es sich um bereits ausgebildete bzw. sogar studierte Krankenpflegefachkräfte, die nun zusätzlich in Sachsen eine Altenpflegeausbildung durchlaufen. Erwartbare Sprachbarrieren, unzureichende arbeitsrechtliche Informationen sowie die Abhängigkeit des Aufenthaltsstatus von der Tätigkeit dürften dazu führen, dass jene ausländischen Pflegekräfte kaum bereit sind, schlechte Arbeitsbedingungen zu kritisieren.

Schließlich bleibt offen, ob die ausländischen Pflegekräfte tatsächlich dauerhaft in Sachsen bleiben wollen. Sie werden vermutlich – ähnlich wie viele ausländische Ärzte in Sachsen – früher oder später herausfinden, dass es attraktivere Alternativen gibt. Dabei würden sie als Arbeitskräfte nicht nur dem Herkunftsland, sondern auch sächsischen Pflegedienstleistern verloren gehen. Das aktuelle migrationspolitische Mantra des „Triple-Win“ (dreifachen Gewinns) der Arbeitsmigration, nämlich für Arbeitnehmer_innen, Arbeitgeber_innen und Herkunftsland, muss kritisch hinterfragt werden.

Nicht zuletzt hat diese Anwerbepraxis Folgen für die Herkunftsländer. Zwar ist der Mangel an Pflegekräften in Vietnam nicht so eklatant wie in manchen anderen Entsendestaaten. Aber auch hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen und ein abwerbeindizierter Mangel an Gesundheitsfachkräften widerspricht dem WHO-Verhaltenskodex für die internationale Anwerbung von Medizinischen Fachkräften und ist unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten abzulehnen.

Denn wir wollen Gesundheit und Pflege für ALLE Menschen!

    

Fotos: DSM 2018

Neue Multiplikator*innenschulungen: Projektinformationen sind online!

Im Projekt „Förderung der Vereinsarbeit von Migrantenorganisationen durch Schulung von Ehrenamtlichen“ finden ab Mai bis Ende des Jahres 2018 regelmäßig Multiplikator*innenschulungen statt!

Alle aktuellen Informationen zum Projekt finden Sie hier. Die jeweils aktuellen Schulungstermine stellen wir auch auf unserer Facebook-Seite.

 

Die Schulungen befähigen Migrant*innenorganisationen und greifen wichtige Themen auf, die immer wieder an uns vom Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. herangetragen werden! Wenn Sie weitere Themen haben, lassen Sie es uns wissen!

 

Wir freuen uns auf Sie!

Start der bundesweiten Initiative „DeMigranz – Demenz und Migration“

Am 6. März 2018 folgten Tatjana Jurk und Katja Lindner vom Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. (DSM) der Einladung der Projektinitiator*innen von „DeMigranz – Bundesweite Initiative Demenz und Migration“ zur Auftaktveranstaltung in die Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung. In der neuen Förderung von „DeMigranz“ findet das seit Jahren anhaltende Engagement der Robert-Bosch-Stiftung für Menschen mit dementiellen Erkrankungen eine zukunftsweisende Fortsetzung. Die Projektinitiative „DeMigranz“ (bundesweit verantwortlich ist die Demenz Support Stuttgart gGmbH in Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop) wird sich in zwei Phasen (2017-2019, 2019-2022) der Verbesserung der Informationslage zu Demenz und zu Versorgungs- und Entlastungsmöglichkeiten bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland widmen.
Ein grundlegender Schritt dafür soll die bessere Vernetzung bereits bestehender Initiativen in den Kommunen und Bundesländern sein. Damit, mit dem Austausch zur Förderung des gegenseitigen Wissenstransfers der Praxisakteur*innen, wurde bereits im Rahmen der Veranstaltung begonnen.

Am Vormittag stellten sich zunächst die zentralen Akteur*innen der in der ersten Projektphase beteiligten drei Bundesländer – Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Sachsen – vor, zeigten ihre Erfahrungen mit dem Thema Demenz und Migration auf, stellten erste wegweisende Initiativen vor Ort vor und machten weitere Bedarfe und Ziele im Rahmen der bundesweiten Initiative DeMigranz deutlich. Zentrale Erkenntnisse dieser Vorstellungsrunde waren, dass bei Projekten für Menschen mit Migrationshintergrund von Anfang an partizipativ gearbeitet werden muss. So zeigte sich insbesondere der Vorteil des sächsischen Projektträgers, bei dem bisherige Initiativen in Sachsen immer von und mit Menschen mit Migrationshintergrund selbst ausgingen. Auch in Sachsen entwickelt sich ein zunehmender Bedarf an pflegerischer Versorgung und Demenzbetreuung bei Menschen mit Migrationshintergrund, zunächst bei den sog. Spätaussiedler*innen, aber zunehmend auch bei Vietnames*innen, so die Vorsitzende des DSM Tatjana Jurk. In vier Workshops am Nachmittag wurden zwischen Akteuren aus einer Vielzahl von Bundesländern weitergehend Erfahrungen und Zukunftsvisionen im Hinblick auf das Thema der Veranstaltung ausgetauscht.

Zu den Erfolgen vor Ort in Sachsen zählen bisher durchgeführte und laufende Projekte zur niedrigschwelligen Betreuung von pflegebedürftigen Menschen nach § 45b SGB XI. Zum DSM (als Nachfolger des Landesverbandes Integrationsnetzwerk Sachsen e.V.) gehören mittlerweile vier vorwiegend deutsch- und russischsprachige Vereine, die durch den KSV Sachsen als Träger für die niedrigschwellige Betreuung anerkannt sind. Im Rahmen der Entwicklung verschiedener Projektinitiativen wurden auf Basis der Akteur*innen des DSM seit 2015 auch sachsenweit insgesamt fünf Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz (im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) erfolgreich eingeworben und durchgeführt (in Freital, Chemnitz, Weißwasser und Bautzen). So gab es u.a. in Freital eine mehrsprachig und kultursensibel angelegte Schulungsreihe zum Thema Demenz für pflegende Angehörige mit Migrationshintergrund sowie das Projekt „Gedächtnisschule“ (in Anlehnung an die Initiative des Demenz-Servicezentrums für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Nordrheinwestfalen) für russisch sprechende Senior*innen. 2017 erschien schließlich die erste Auflage eines mehrsprachig angelegten Pflegewegweisers für die Große Kreisstadt Freital und deren Umgebung. Demnächst erscheint die zweite Auflage des Wegweisers. Er bietet erstmals auch der einheimischen Bevölkerung Freitals gebündelte Informationen zum Thema Pflege und er kann durch seinen mehrsprachigen integrativen Charakter in seiner Grundstruktur ein Modell für andere sächsische Kommunen sein. Dies wird auch einer der ersten Schritte von „DeMigranz“ in Sachsen sein.

Das bisherige Engagement des DSM sorgt dafür, dass sich Sachsen trotz der kürzeren Zuwanderungsgeschichte im Hinblick auf das Engagement für pflegebedürftige Menschen mit Migrationshintergrund keinesfalls hinter den „älteren“ Bundesländern verstecken muss. Offensichtlich wurde im Rahmen der gestrigen Diskussionen auch, dass die Informations- und Versorgungslage von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen (nicht nur in Sachsen) grundsätzlich verbessert werden muss, unabhängig vom Vorhandensein eines Migrationshintergrundes der Betroffenen. Da der Freistaat Sachsen keine Pflegestützpunkte etabliert hat, nur zwei Demenzservice- oder Demenzkompetenz-Zentren in Sachsen (in Neustadt/Sachsen und Bautzen) existieren, und da die Pflegeberatung primär über die nicht unabhängigen Pflegekassen sowie eine deutschsprachige Online-Datenbank erfolgt, gibt es zum Thema Pflege und Demenz noch viel Informationsbedarf für Menschen ohne und mit Migrationshintergrund. Auch die Fokussierung auf das Internet bei der Informationsvermittlung kann für ältere Menschen mit Migrationshintergrund eine große Hürde darstellen. Initiativen wie Schulungen und Pflegewegweiser des DSM tragen dazu bei, diese Lücken an unabhängigen deutsch- und fremdsprachigen Informationen zu schließen. Zudem ergibt sich aus den jüngsten Fluchtmigrationen seit 2015 auch langfristig ein Bedarf an weiteren zielgruppenspezifischen Angeboten, jenseits der russischsprachigen und vietnamesischen Communities, die bisher im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wenn es um ältere Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen geht.

Die Akteur*innen des DSM freuen sich sehr über die Aufnahme Sachsens als Modellstandort im Rahmen der neuen bundesweiten Initiative „DeMigranz“. Diese Anerkennung und Förderung wird eine Unterstützung dafür sein, dass die Situation pflegebedürftiger bzw. an Demenz erkrankter Menschen mit Migrationshintergrund (und auch Einheimischer) verbessert wird. Als grundlegende Orientierung der Arbeit des Dachverbandes mit älteren Menschen dient die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen, die Maßstab für alle in das Thema Pflege involvierten Akteure darstellen sollte.