Archiv der Kategorie: Pressemitteilung

Posititionierung des Dachverbandes sächsischer Migrantenorganisationen e.V. anlässlich des Tages der Pflege 2018

Ausländische Pflegekräfte nicht als Kitt eines maroden Pflegesystems ausnutzen. Solidarität mit allen Pflegenden!

Am 12.5.2018 fand anlässlich des Tages der Pflege in Dresden erstmals ein sog. „Walk of Care“ statt. Der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. unterstützt die Forderungen nach besseren Bedingungen für Pflegende und Patient_innen.

Ein zentrales und vieldiskutiertes Problem des Pflegesystems in Deutschland und v.a. in Sachsen ist der Mangel an Alten- und Krankenpflege(fach)kräften. Die Ursachen sind vielfältig und die Entwicklung ist nicht überraschend. Denn demographisch gehört Sachsen zu den „ältesten“ Bundesländern. Außerdem weist Sachsen eine der höchsten Quoten an stationärer Unterbringung von Pflegebedürftigen auf. Natürlich betrifft die „Alterung“ der Gesellschaft auch die Beschäftigten im Pflegesektor selbst. Alle werden älter, natürlich auch das Pflegepersonal.

Zudem gibt es in Deutschland erhebliche Lohndifferenzen –mit Sachsen am Ende der Skala. Auch deshalb ist eine pflegerische Tätigkeit in Sachsen aus monetären Gründen vergleichsweise unattraktiv. Deutlich wurde das Problem gerade Anfang des Jahres 2018, als in mehreren Altenpflegeheimen in Sachsen ein Aufnahmestopp verhängt wurde, weil die Fachkräftequote nicht eingehalten wurde. In Sachsen fehlen laut Medienberichten (Freie Presse vom 25.4.2018) bundesweit die meisten Altenpfleger_innen, aber auch viele Krankenpfleger_innen.

Bisherige Strategien zur Behebung des Pflegekräftemangels waren nicht erfolgreich. Eine Erhöhung der Ausbildungsquote zum Beispiel würde nicht verhindern, dass die dann gut ausgebildeten Fachkräfte aus Sachsen abwandern. Zudem ist es kaum möglich Pflegeerwerbsarbeit und eigene Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege zu vereinbaren. Die eher halbherzig gemeinte Initiative „Pro Pflege Sachsen“ der sächsischen Staatsregierung im Frühjahr 2014 wurde von den relevanten Akteuren im Feld (z.B. dem sächsischen Pflegerat) kaum ernst genommen und verlief im Sande. Auch der zunehmende Trend einer Akademisierung von Pflegeberufen kann nicht das eigentliche Problem lösen: das Fachkräfte in der Arbeit an den Patient_innen/Pflegebedürftigen fehlen.

Während ausländische Pflegekräfte bereits seit vielen Jahren nach Deutschland und teilweise nach Sachsen kommen, häufen sich in letzter Zeit Presseberichte über verschiedenste breiter angelegte Anwerbemaßnahmen zur Gewinnung ausländischer Pflegekräfte für die sächsische Pflege. Leider fehlen flächendeckende Statistiken. Grundsätzlich begrüßen wir den Einsatz ausländischer Pflegefachkräfte und Pflegekräften mit Migrationsgeschichte.

Der Zeitpunkt der Anwerbemaßnahmen jedoch und die Erfahrungen zeigen, dass es hier scheinbar auch darum geht, den Status quo des Systems zu belassen und notwendige Änderungen im Pflegesektor aufzuschieben. Während die anfangs wenigen ausländischen Pflegekräfte in Sachsen zunächst v.a. aus Osteuropa kamen, gab es im Zuge der ökonomischen Krise in Südeuropa vermehrte Anwerbungen sächsischer Pflegeanbieter in Spanien, Griechenland und Italien. Als jene meist akademisch ausgebildeten Pflegekräfte die tatsächlichen Bedingungen vor Ort sahen, kehrten viele Sachsen und/oder Deutschland wieder den Rücken, um in westdeutsche Bundesländer oder ins europäische Ausland zu gehen.

Zuletzt gab es in Sachsen schließlich Anwerbungen von Pflegekräften und vor allem Altenpflege-Azubis aus Vietnam. Argumentiert wurde dabei u.a. mit den historischen Bindungen zwischen Ostdeutschland und Vietnam sowie rassistischen Zuschreibungen in Bezug auf die vermeintlich „kulturelle Passung“ von Vietnames_innen für Tätigkeiten in der Pflege. Jedoch handelte es sich um bereits ausgebildete bzw. sogar studierte Krankenpflegefachkräfte, die nun zusätzlich in Sachsen eine Altenpflegeausbildung durchlaufen. Erwartbare Sprachbarrieren, unzureichende arbeitsrechtliche Informationen sowie die Abhängigkeit des Aufenthaltsstatus von der Tätigkeit dürften dazu führen, dass jene ausländischen Pflegekräfte kaum bereit sind, schlechte Arbeitsbedingungen zu kritisieren.

Schließlich bleibt offen, ob die ausländischen Pflegekräfte tatsächlich dauerhaft in Sachsen bleiben wollen. Sie werden vermutlich – ähnlich wie viele ausländische Ärzte in Sachsen – früher oder später herausfinden, dass es attraktivere Alternativen gibt. Dabei würden sie als Arbeitskräfte nicht nur dem Herkunftsland, sondern auch sächsischen Pflegedienstleistern verloren gehen. Das aktuelle migrationspolitische Mantra des „Triple-Win“ (dreifachen Gewinns) der Arbeitsmigration, nämlich für Arbeitnehmer_innen, Arbeitgeber_innen und Herkunftsland, muss kritisch hinterfragt werden.

Nicht zuletzt hat diese Anwerbepraxis Folgen für die Herkunftsländer. Zwar ist der Mangel an Pflegekräften in Vietnam nicht so eklatant wie in manchen anderen Entsendestaaten. Aber auch hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen und ein abwerbeindizierter Mangel an Gesundheitsfachkräften widerspricht dem WHO-Verhaltenskodex für die internationale Anwerbung von Medizinischen Fachkräften und ist unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten abzulehnen.

Denn wir wollen Gesundheit und Pflege für ALLE Menschen!

    

Fotos: DSM 2018

Start der bundesweiten Initiative „DeMigranz – Demenz und Migration“

Am 6. März 2018 folgten Tatjana Jurk und Katja Lindner vom Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. (DSM) der Einladung der Projektinitiator*innen von „DeMigranz – Bundesweite Initiative Demenz und Migration“ zur Auftaktveranstaltung in die Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung. In der neuen Förderung von „DeMigranz“ findet das seit Jahren anhaltende Engagement der Robert-Bosch-Stiftung für Menschen mit dementiellen Erkrankungen eine zukunftsweisende Fortsetzung. Die Projektinitiative „DeMigranz“ (bundesweit verantwortlich ist die Demenz Support Stuttgart gGmbH in Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop) wird sich in zwei Phasen (2017-2019, 2019-2022) der Verbesserung der Informationslage zu Demenz und zu Versorgungs- und Entlastungsmöglichkeiten bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland widmen.
Ein grundlegender Schritt dafür soll die bessere Vernetzung bereits bestehender Initiativen in den Kommunen und Bundesländern sein. Damit, mit dem Austausch zur Förderung des gegenseitigen Wissenstransfers der Praxisakteur*innen, wurde bereits im Rahmen der Veranstaltung begonnen.

Am Vormittag stellten sich zunächst die zentralen Akteur*innen der in der ersten Projektphase beteiligten drei Bundesländer – Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Sachsen – vor, zeigten ihre Erfahrungen mit dem Thema Demenz und Migration auf, stellten erste wegweisende Initiativen vor Ort vor und machten weitere Bedarfe und Ziele im Rahmen der bundesweiten Initiative DeMigranz deutlich. Zentrale Erkenntnisse dieser Vorstellungsrunde waren, dass bei Projekten für Menschen mit Migrationshintergrund von Anfang an partizipativ gearbeitet werden muss. So zeigte sich insbesondere der Vorteil des sächsischen Projektträgers, bei dem bisherige Initiativen in Sachsen immer von und mit Menschen mit Migrationshintergrund selbst ausgingen. Auch in Sachsen entwickelt sich ein zunehmender Bedarf an pflegerischer Versorgung und Demenzbetreuung bei Menschen mit Migrationshintergrund, zunächst bei den sog. Spätaussiedler*innen, aber zunehmend auch bei Vietnames*innen, so die Vorsitzende des DSM Tatjana Jurk. In vier Workshops am Nachmittag wurden zwischen Akteuren aus einer Vielzahl von Bundesländern weitergehend Erfahrungen und Zukunftsvisionen im Hinblick auf das Thema der Veranstaltung ausgetauscht.

Zu den Erfolgen vor Ort in Sachsen zählen bisher durchgeführte und laufende Projekte zur niedrigschwelligen Betreuung von pflegebedürftigen Menschen nach § 45b SGB XI. Zum DSM (als Nachfolger des Landesverbandes Integrationsnetzwerk Sachsen e.V.) gehören mittlerweile vier vorwiegend deutsch- und russischsprachige Vereine, die durch den KSV Sachsen als Träger für die niedrigschwellige Betreuung anerkannt sind. Im Rahmen der Entwicklung verschiedener Projektinitiativen wurden auf Basis der Akteur*innen des DSM seit 2015 auch sachsenweit insgesamt fünf Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz (im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) erfolgreich eingeworben und durchgeführt (in Freital, Chemnitz, Weißwasser und Bautzen). So gab es u.a. in Freital eine mehrsprachig und kultursensibel angelegte Schulungsreihe zum Thema Demenz für pflegende Angehörige mit Migrationshintergrund sowie das Projekt „Gedächtnisschule“ (in Anlehnung an die Initiative des Demenz-Servicezentrums für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Nordrheinwestfalen) für russisch sprechende Senior*innen. 2017 erschien schließlich die erste Auflage eines mehrsprachig angelegten Pflegewegweisers für die Große Kreisstadt Freital und deren Umgebung. Demnächst erscheint die zweite Auflage des Wegweisers. Er bietet erstmals auch der einheimischen Bevölkerung Freitals gebündelte Informationen zum Thema Pflege und er kann durch seinen mehrsprachigen integrativen Charakter in seiner Grundstruktur ein Modell für andere sächsische Kommunen sein. Dies wird auch einer der ersten Schritte von „DeMigranz“ in Sachsen sein.

Das bisherige Engagement des DSM sorgt dafür, dass sich Sachsen trotz der kürzeren Zuwanderungsgeschichte im Hinblick auf das Engagement für pflegebedürftige Menschen mit Migrationshintergrund keinesfalls hinter den „älteren“ Bundesländern verstecken muss. Offensichtlich wurde im Rahmen der gestrigen Diskussionen auch, dass die Informations- und Versorgungslage von Demenzerkrankten und ihren Angehörigen (nicht nur in Sachsen) grundsätzlich verbessert werden muss, unabhängig vom Vorhandensein eines Migrationshintergrundes der Betroffenen. Da der Freistaat Sachsen keine Pflegestützpunkte etabliert hat, nur zwei Demenzservice- oder Demenzkompetenz-Zentren in Sachsen (in Neustadt/Sachsen und Bautzen) existieren, und da die Pflegeberatung primär über die nicht unabhängigen Pflegekassen sowie eine deutschsprachige Online-Datenbank erfolgt, gibt es zum Thema Pflege und Demenz noch viel Informationsbedarf für Menschen ohne und mit Migrationshintergrund. Auch die Fokussierung auf das Internet bei der Informationsvermittlung kann für ältere Menschen mit Migrationshintergrund eine große Hürde darstellen. Initiativen wie Schulungen und Pflegewegweiser des DSM tragen dazu bei, diese Lücken an unabhängigen deutsch- und fremdsprachigen Informationen zu schließen. Zudem ergibt sich aus den jüngsten Fluchtmigrationen seit 2015 auch langfristig ein Bedarf an weiteren zielgruppenspezifischen Angeboten, jenseits der russischsprachigen und vietnamesischen Communities, die bisher im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wenn es um ältere Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen geht.

Die Akteur*innen des DSM freuen sich sehr über die Aufnahme Sachsens als Modellstandort im Rahmen der neuen bundesweiten Initiative „DeMigranz“. Diese Anerkennung und Förderung wird eine Unterstützung dafür sein, dass die Situation pflegebedürftiger bzw. an Demenz erkrankter Menschen mit Migrationshintergrund (und auch Einheimischer) verbessert wird. Als grundlegende Orientierung der Arbeit des Dachverbandes mit älteren Menschen dient die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen, die Maßstab für alle in das Thema Pflege involvierten Akteure darstellen sollte.

DaMOst: 240 Migrantenorganisationen aus Ostdeutschland vernetzt

Am 29.01.2018 trafen sich Vertreter*innen aller fünft Landesverbände der Migrant*innenorganisationen aus Ostdeutschland zur DaMost-Klausur. Auch der Vorstand des Dachverbandes sächsischer Migrantenorganisationen e.V. war aktiv beteiligt. Über das Ergebnis der Klausur informiert Sie die hier dokumentierte Pressemitteilung des DaMost. Wir freuen uns über den gelungenen Start!

240 Migrantenorganisation aus Ostdeutschland vernetzt

Seit den 90er Jahren haben Migranten(selbst)organisationen (MO) aus Ostdeutschland versucht, sich zu vernetzen, in verschiedenen Formen zu kooperieren und zusammenzuarbeiten. Aufgrund fehlender Finanzmittel für Steuerung und Koordinierung konnte kein Dachverband aus diesen Bemühungen entstehen.
Die Situation hat sich mit der Strukturförderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die den Aufbau und die Etablierung eines Dachverbandes nun ermöglicht, verändert. Der Dachverband wird die Interessen von ca. 240 MO mit tausenden von Mitgliedern auf Landes- und Bundesebene vertreten.
Ziele des Dachverbands sollen sein, die politische Partizipation der ostdeutschen MO auf Bundesebene und ihre fachliche Kompetenzen in ihren Bundesländern zu stärken und ihre Beteiligung an wesentlichen und aktuellen Schwerpunkten der Integrationsarbeit zu fördern.
Die erste Konferenz des Dachverbandes Dachverband der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland „DaMOST“ wird im Herbst dieses Jahres stattfinden.
Die Geschäftsstelle des Dachverbandes ist derzeit beim Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA) e.V. angesiedelt.

Kontakt:
Dachverband der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst)
Bernburger Straße 25a
06108 Halle (Saale)
Ansprechpartner:
Herr Mamad Mohamad
Herr Ruben Cardenas
Tel.: (0345) 171 94 051
Mobil: 0176 -444 089 69
E-Mail: mamad[dot]mohamad[at]damost[dot]de oder ruben.cardenas[at]damost[dot]de

Der DSM kommentiert den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD

Der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen e.V. hat die Koalitionsverhandlungen abwartend beobachtet. Nun kommentieren die Vorstandsvorsitzenden zur Gesundheitsversorgung und zur Planung der Asylverfahren.

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wird im Kapitel 3 „Familien und Kinder im Mittelpunkt“ unter dem Punkt zu Seniorinnen und Senioren auch das Thema Demenz gesetzt. Tatjana Jurk, Vorstandsvorsitzende des DSM und Initiatorin von fünf „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ in Sachsen mit Schwerpunkt „Migration und Demenz“: „Es ist sehr erfreulich, dass die Agenda „Gemeinsam für Menschen mit Demenz“ weiterentwickelt wird und dabei auch Menschen mit Demenz selbst einbezogen werden! Alle werden älter, davon ist niemand ausgenommen. Es ist an der Zeit, sich damit zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass besonders Menschen mit Alterserkrankungen respektvoll begleitet werden.“
Im Kapitel 8 „Zuwanderung steuern – Integration fordern und unterstützen“ wird zur gelingenden Integration in Aussicht gestellt, dass die Teilhabe an den Angeboten der Gesundheitsversorgung, wie der Pflege, besonders für MigrantInnen der ersten Generation verbessert werden soll, unter anderem durch die Einrichtung von mehrsprachigen gesundheitsfördernden Angeboten.
Tatjana Jurk dazu: „Gesundheitsversorgung, insbesondere eine bedürfnisorientierte Pflege im Alter, ist natürlich auch für MigrantInnen wichtig! Diese Menschen haben auch ein Leben lang hart gearbeitet, um ihrer Familie ein gutes und sicheres Leben zu ermöglichen. Ob migriert oder nicht: im Alter haben alle Respekt verdient! Wir freuen uns darüber, was der Koalitionsvertrag verspricht. Nun müssen wir dafür sorgen, dass es umgesetzt wird. Wir sind gerne bereit, tatkräftig beizutragen!“

Ebenso im Kapitel 8 „Zuwanderung steuern – Integration fordern und unterstützen“ schlägt der Koalitionsvertrag zur Flüchtlingspolitik effizientere Asylverfahren vor.
Emiliano Chaimite, Vorstandsvorsitzender des DSM: „Dieses Vorhaben ist grundsätzlich begrüßenswert, wenn es dazu führt, dass Asylsuchende durch ein schnelleres Asylverfahren früher eine Gewissheit über ihre Zukunft haben. Nur, wer weiß, wie es im Leben weitergeht, kann sich öffnen und Integrationsmaßnahmen nachhaltig wahrnehmen!“ Als Effizienzmaßnahme schlägt der Koalitionsvertrag vor das Asylverfahren in sogenannten AnKER-Einrichtungen abzuwickeln, in denen die Ankunft, die Entscheidung und gegebenenfalls die Rückführung stattfinden sollen. Laut Koalitionsvertrag soll die Verbleibedauer in diesen Einrichtung 18 Monate nicht überschreiten, bei Familien mit Kindern sollen 6 Monate nicht überschritten werden.
Emiliano Chaimite kritisiert: „Menschen bis zu anderthalb Jahre lang in einer zentralen Einrichtung ohne Sicherheit über die eigene Zukunft leben zu lassen, ist kontraproduktiv für die Integration! Wie sollen die Integrationsmaßnahmen, die im Koalitionsvertrag vorgesehen sind, in diesen ersten anderthalb Jahren in einer zentralen großen Einrichtung bei den Menschen ankommen? Wie sollen die Menschen zum Beispiel erfolgreich Sprachkurse besuchen, wenn sie isoliert in einer großen Einrichtung leben mit Menschen, die das gleiche Schicksal teilen? Anderthalb Jahre sind verschenkte Zeit für die Integration, denn diese beginnt in einer offenen Gesellschaft am ersten Tag!“
Laut Koalitionsvertrag sollen nur diejenigen, die eine sogenannte positive Bleibeperspektive haben, auf die Kommunen verteilt werden. Emiliano Chaimite dazu: „Das Recht auf Asyl ist ein Individualrecht! Aus statistischen Werten über Bleibe- und Aufnahmequoten Konsequenzen für Individuen zu ziehen ist ein grober Fehlschluss. Es ist zudem bekannt, dass sich auch das Bundesamt in seiner Entscheidung täuschen kann. Wie aber sollen Menschen, die direkt nach einem Verfahren aus einer zentralen Unterkunft zurückgeführt werden, diese Entscheidung rechtlich prüfen lassen? Die AnKER-Einrichtungen sind nicht der richtige Weg um Integration zu fordern und zu unterstützen!“