Interview mit dem DSM-Team aus dem Projekt „Neue sächsische Demokratietrainer*innen“

Das DSM Öffentlichkeitsarbeitsteam hat sich mit Francesca Piccinotti und Mohamed Okasha aus dem DSM-Projekt „Neue sächsische Demokratietrainer*innen“ getroffen und mit ihnen über ihr Projekt gesprochen. Die beiden wurden in den letzten Wochen intensiv unterstützt durch die Praktikantinnen Denderah und Alicia. Was sind die Inhalte des Projektes genau? Was für ein Ergebnis zeichnet sich nach den schon durchgeführten Gesprächen mit den Mitgliedsorganisationen ab? Und wie erging es den Praktikantinnen beim DSM?

Worum geht es in eurem Projekt?

Francesca: Das Projekt „Neue sächsische Demokratietrainer*innen“ hat das Ziel, eine Ausbildung bzw. eine modulare Fortbildung zu konzipieren und durchzuführen für die Mitglieder des Dachverbands sächsischer Migrantenorganisationen. Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“, ein Programm für Dachverbände und ihre Mitglieder. In unserem Fall sind die Mitglieder die Migrantenorganisationen. Pro Verein wird dann eine Person Teilnehmer sein. Das können sowohl ehrenamtlich tätige, als auch Hauptamtliche sein, die dann fortgebildet werden. Und diese Gruppe von Teilnehmer*innen wird eine Art Referent*innen-Netzwerk innerhalb des Dachverbands bilden.
Fokus des Bundesprogramms, bzw. der Ausbildung sind Demokratieentwicklung und Menschenrechte. Und wir sind gerade dabei uns einzulesen in Aspekte, die oft von den Vereinen vorgeschlagen wurden: was sind die Wünsche für Inhalte? Und dabei haben wir gesehen, dass Demokratie ganz viel beinhaltet: von der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Diskriminierungsformen bis zu anderen Themenbereichen wie demokratische Teilhabe in der Organisation. Also da ist oft viel mehr, als das, was man sich direkt vorstellt oder nicht vorstellt.
Wir sind noch in der ersten Phase des Projekts und haben viele der Mitgliedsorganisationen schon getroffen, interviewt – wir machen also eine Bedarfsanalyse, um die Vereine kennenzulernen und ihre Standpunkte, Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren. Daran sehen wir am besten, wie diese Ausbildung gestaltet werden sollte.

Mohamed: Es geht bei uns im Projekt darum, eine Verbandsstruktur zu etablieren. Dieser Verband besteht aus Demokratieberater*innen bzw. Demokratietrainer*innen, die zwei Hauptaufgaben haben: erstens die Vereine in vielen Aspekten wie zum Beispiel beim Management und auch dem Umgang mit Rassismus und Diskriminierung zu unterstützen und zweitens die politische Arbeit in Sachsen seitens der Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen.

Was ist bisher in eurem Projekt geschehen?

Alicia: Hauptsächlich die Bedarfsanalyse. Wir haben bisher einen Teil der Mitgliedsorganisationen interviewt – die meisten vor Ort, manche auch per Online Interview. Da ging es auch um das generelle Kennenlernen, den Austausch mit den Organisationen und dann auch um Fragen zu den Themen Diskriminierung und Rassismuserfahrungen im Verein bzw., ob es ein Gesprächsthema ist im Verein.  Und dann im letzten Schritt, was sie sich von der Ausbildung erhoffen, welche Inhalte sie sich wünschen, die auch für die Vereine selbst interessant wären und wie die Ausbildung konzipiert sein müsste, damit sie auch Interesse hätten, daran teilzunehmen – konkret am Aufbau aber auch an den Inhalten, einfach was sie sich insgesamt für ein Format wünschen.

Denderah: Wir haben jetzt ungefähr die Hälfte aller Mitgliedsorganisationen besucht und beginnen gerade auch mit der Auswertung damit wir die Ergebnisse unserer Bedarfsanalyse dann im Herbst auch präsentieren können.

Francesca: Um alle Mitglieder zu treffen, haben wir auch die Datenbank mit den Mitgliedsorganisationen aktualisieren müssen, damit diese besser nutzbar ist und die Mitgliedsorganisationen sich besser vernetzen können.

Was ist in eurem Projekt noch geplant?

Denderah:  Erstmal die Auswertung der Interviews, wenn wir alle Ergebnisse haben und wenn diese Ergebnisse dann präsentiert worden sind soll die Ausbildung konzipiert werden und dann hoffentlich bereits dieses Jahr beginnen.

Alicia: Genau, der nächste Schritt ist der konkrete Aufbau der Ausbildung und auch die Suche nach Dozent*innen, Location – also alle Punkte die wichtig sind für eine solche Ausbildung.

Mohamed: Die Ergebnisse sollen auf einer Konferenz im Herbst, Ende September/Anfang Oktober, präsentiert werden.

Wer zu dieser Konferenz eingeladen und was genau ist dort geplant?

Alicia: Es werden die Mitgliedsorganisationen eingeladen, damit diese auch ein Feedback bekommen und sie sehen, wie ihre Meinungen und Vorschläge einfließen. Und es soll die Ausbildung vorgestellt werden und eine erste Runde für die Anmeldung stattfinden.

Werdet ihr für die Konzeption der Ausbildung begleitet von jemandem?

Francesca: Ja, wir haben einen Coach, eine Beraterin, die uns als Team im gesamten Prozess begleitet. Sie begleitet immer die Phase, in der wir uns gerade befinden aber sie hat keinen direkten operativen Einfluss.

Denderah: Wir nehmen auch Kontakt zum Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V. (LAMSA) auf, die selbst bereits eine solche Ausbildung konzipiert haben, damit ein Austausch mit ihnen stattfinden kann. Wir werden natürlich eine eigene Ausbildung entwerfen aber als Austausch ist es wichtig.

Francesca: Und die Beraterin hat selbst viel Erfahrung in dieser Arbeit und hat selbst bei LAMSA gearbeitet und ein ähnliches Projekt begleitet in einem Dachverband. Der Coach ist vorgesehen von dem Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“, sie gehört aber zu einer anderen Organisation. Wir werden maximal vier Beratungen pro Jahr haben.

Was würdet ihr euch als Ergebnis des Projekts wünschen?

Mohamed: Wir wünschen uns auf jeden Fall, dass die Konzeption der Ausbildung die Bedürfnisse und Bedarfe der Vereine abdeckt. Die Ergebnisse der Interviews spiegeln sich bis jetzt in folgenden Bereichen wieder, die schon andeuten, in welche Richtung es geht:

  • Demokratie und Teilhabe: Grundbegriffe
  • Vereinsführung und Projektarbeit
  • Fördermittel und Finanzmittelakquise
  • Kommunalpolitik
  • Kommunikation und Konflikt
  • Intersektionaler Rassismus und Diskriminierung
  • Durchführung von Bildungsangeboten

Also wir wünschen uns, dass die Weiterbildung so viele unterschiedliche Bereiche wie möglich abdeckt, um die politische Arbeit in Sachsen voranzutreiben. Aber nicht nur die politische Arbeit, sondern dass POC Teil dieser politischen Entwicklung in Sachsen werden. Wir wünschen uns, dass die Leute, die Interesse am Projekt haben, sich anmelden.

Wie kann man sich anmelden?

Mohamed: Einmal kann man sich bei der Konferenz direkt anmelden und es wird eine Ausschreibung geben. Mitgliedsorganisationen, die jetzt schon sagen: „Ja, das hört sich gut an, ich habe Interesse.“, können sich aber auch jetzt schon beim DSM-Team melden.

Was sind die Einsatzgebiete der Demokratietrainer*innen?

Mohamed: Die Einsatzgebiete der Demokratietrainer*innen werden auf spätere Sicht auch Beratungen für die Vereine in diesen Themen aber auch der Bereich politische Bildung.

Francesca: Die Ausbildung wird nicht nur aus theoretischen Modulen bestehen, sondern auch Praxisphasen beinhalten, in denen die Teilnehmer*innen selbst aktiv werden und sich vernetzen können. Sie werden selbst aktiv, indem sie eigene Mini-Projekte konzipieren und umsetzen, zu denen eigene kleine Veranstaltungen, Diskussionsrunden oder Projekttage gehören.  Es ist eigentlich empfohlen, dass die Demokratietrainer*innen eigene Schwerpunkte setzen können, je nach Rolle, Arbeit und Zielen in den eigenen Vereinen.

Alicia: Während der Praxisphasen der Ausbildung sollen die angehenden Demokratietrainer*innen bereits aktiv erste praktische Erfahrungen sammeln. Bisher im Raum stehen zwei Formen praktischer Erfahrung. Zum einen das Hospitieren bei bereits ausgebildeten Demokratietrainer*innen um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Zum zweiten sollen die Teilnehmer auch selbst eine Veranstaltung oder ein Workshop durchführen. Eine enge Betreuung und Begleitung von unserer Seite soll die Auszubildenden dabei unterstützen. Inwiefern diese Ideen nun konkret in den Praxisphasen umgesetzt werden sollen, haben wir noch nicht festgelegt, uns ist es aber wichtig, dass das Wissen aus den theoretischen Module dann auch schon während der Ausbildung angewendet werden kann.

Was könnte besonders interessant sein für die Mitglieder des Dachverbands sächsischer Migrantenorganisationen?

Francesca: Sie bekommen die Möglichkeit, an einer kostenlosen Ausbildung mit Zertifikat teilzunehmen und ihre Arbeitskompetenzen und Lebenserfahrung zu erweitern. Außerdem können sie andere Vereine kennenlernen und teilweise reisen, wenn die Ausbildung nicht in ihrer Stadt stattfinden wird. Sie können Teil einer Gruppe sein, die den Verband besser vernetzt und sie können lernen, selber Referent*innen zu sein und je nach Schwerpunkt des eigenen Vereins arbeiten.

Denderah: Es ist generell ein Mehrwert für die Vereine, da wir ja auch extra die Bedarfsanalyse durchgeführt haben, damit wir wissen, was ihre Bedürfnisse sind und genau diese Bedürfnisse versuchen wir dann anzusprechen. Das, was man bei der Ausbildung lernt, kann man dann auch gut anwenden im jeweiligen Verein und da dann vielleicht demokratische Strukturen stärken und Plattformen schaffen, wo man sich über bestimmte Themen austauschen kann.

Mohamed: Die Vereine profitieren auch davon, indem sich ein Verband aus Demokratietrainer*innen bildet, an den sich alle Mitgliedervereine wenden können, wenn sie Probleme haben – politische Probleme, Probleme mit Diskriminierung und Rassismus, aber auch Konflikte unter den Mitarbeiter*innen. Das Netzwerk aus Demokratietrainer*innen wird die Mitgliedsorganisationen in der Vereinsarbeit unterstützen.

Francesca: Die Verbandsinterne Demokratietrainer*innen kennen dann die Strukturen des Verbandes aus internen Perspektiven, dafür können ein Verständnis für Prozesse und Situationen entwickeln, die jeweilige Organisationskultur berücksichtigen und in der Lage sein, sich darauf einzustellen.

An die Praktikantinnen: Wie habt ihr Francesca und Mohamed unterstützt und was habt ihr gelernt?

Alicia: Also ich habe die Datenbank angefangen für Organisationen in Sachsen, die noch nicht Mitglieder im Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen sind – vor allem in Zwickau und Grimma. Und ich habe bei der Bedarfsanalyse, also den Interviews und der Transkription geholfen.

Denderah: Ich habe hauptsächlich im Bereich der Interviews geholfen. Am Anfang habe ich ein paar Rechercheaufgaben übernommen. Also sowohl bei der Vorbereitung, als auch bei der Organisation, der Durchführung und der Nachbereitung der Interviews. Es war für mich eine tolle Erfahrung, dass ich von Anfang an dabei sein konnte, also ab dem ersten Interview. Dadurch konnte ich sehen, wie sich alles entwickelt hat und habe selbst gemerkt, dass ich am Anfang noch ein bisschen unsicher war, wie das werden wird, ob ich das richtig mache. Und da würde ich sagen, dass ich viel gelernt habe. Und jetzt steht noch die Auswertung der Interviews an. Ich bereite sie so auf, dass man mit den Daten etwas anfangen kann, insbesondere die Daten, die wichtig sind für die Konzeption der Ausbildung, damit wir diese Daten dann auch nutzen können, um die Ergebnisse vorzustellen bei der Konferenz. Da morgen mein letzter Tag ist, wir die nächste Praktikantin das dann weiterführen.

Alicia: Da wir die Interviews teilweise auch selbst durchgeführt haben, habe ich vor allem mitgenommen, dass man Verantwortung bekommt und ein Interview leitet. Also es hängt ja auch vom Interviewer ab, wie ein Interview durchgeführt wird und deshalb fand ich es schön, dass wir viel machen konnten. Bei der Datenbankrecherche habe ich gelernt, dass es sehr aufwendig ist und es am Anfang ein Dschungel ist, wenn man sich durch die Behörden und Organisationen durcharbeitet.

Beide: Es war eine gute Erfahrung (lachen).

Gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Rahmen des
Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“.