3. Seminar – „Neonazismus und Menschenfeindlichkeit – Begriffe, Erscheinungen und Strukturen“

Das Grundlagenseminar zum Thema „Extremismus“ fand am 23. August 2017 im Schumannklub des Vereines „Das Zusammenleben e. V.“ (Dresdner Straße 162, 01705 Freital)  statt und wurde von den MitarbeiterInnen des Kulturbüro Sachsen e.V. Petra Schickert und Markus Kemper durchgeführt. Teilnehmende waren VertreterInnen der Migrantenorganisationen aus Freital, Dresden und Bischofswerda.

Ein Anliegen war, sich mit den Begriffen sowie neonazistischen, rassistischen und menschenfeindlichen Erscheinungen in Sachsen zu beschäftigen. Es ist keine leichte Aufgabe, die Kenntnisse zu solchen komplizierten und sensiblen Themen zu vermitteln. Doch Petra Schickert und Markus Kemper, die sich inzwischen seit über 15 Jahren mit demokratiegefährdenden Entwicklungen auseinandersetzen, kennen gute Methoden, um eine langweilige Lehre zu einer spannenden und emotional vollen Begegnung zu verwandeln.

Zu Beginn des Workshops sollten die TeilnehmerInnen in kleinen Gruppen ihre eigene Reflexion auf die Begriffe „Nationalismus“, „Rechtextremismus“ und „Menschenfeindlichkeit“ überdenken, formulieren und auf Zettel schreiben. Im Ergebnis ist eine sehr breite Palette von Thesen und Begriffen entstanden, die zeigt, wie stark das Leben von MigrantInnen in Sachsen von solchen Erscheinungen betroffen ist. Die TeilnehmerInnen verstehen gut, dass neonazistisches und menschenfeindliches Gedankengut in Deutschland weit verbreitet ist und einen großen Einfluss auf Politik hat. Die MigrantInnen stehen im Zentrum von heftigen politischen und gesellschaftlichen Debatten und werden oft für das Anheizen von Fremdenfeindlichkeit, Xenophobie und Ausländerhass verantwortlich gemacht. Die Teilnehmenden sammelten Begriffe wie „Diskriminierung“, „Deutsche Identität“, „Leitkultur“, „Sonderweg“, „Neue Rechte“, „Konservative Revolution“ usw. Das hat gezeigt, dass die in Deutschland wachsenden politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um das Thema „Migrationspolitik“ den MigrantInnen nicht fremd sind und nicht weniger Bedeutung haben als für die Aufnahmegesellschaft.

Dieser Einstieg war ein Aufwärmen zur folgenden Diskussion. Auf dem Fußboden wurden Positionslichter eingerichtet: Von Punkt A mit „Stimme zu“ bis zum Punkt B mit „Stimme nicht zu“. Die TeilnehmerInnen sollten auf diesem Strahl ihre eigene Position finden, gemäß den Fragen, die ihnen gestellt wurde. Das war nicht nur lebhaft und emotional, sondern auch sehr verantwortlich, weil jeder seine Position begründen sollte. Deshalb sind im Laufe der Nachfrage „Warum stehen Sie an dieser Stelle?“ kleine Diskussionen und teilweise kräftige Debatten entstanden, die die Vielfalt der unterschiedlichen Überzeugungen, Lebenserfahrungen und Weltanschauungen der TeilnehmerInnen widerspiegelten. Das war aber ein sehr friedlicher Austausch von eigenen Überzeugungen und Argumenten. Spürbar war immer für alle die im Raum herrschende Offenheit und vor allem gegenseitige Akzeptanz

Die von Petra Schickert und Markus Kemper angebotenen Positionen waren den wissenschaftlichen Einstellungsbefragungen der letzten Jahre entnommen, z.B. „Homosexualität ist unmoralisch.“ oder „Frauen sollten ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen“. Zum Teil handelte es sich um weit verbreitete Vorurteile wie z.B. „Schwarze haben den Rythmus einfach im Blut“. Danach gaben die beiden MitarbeiterInnen des Kulturbüro Sachsen e.V. fachliche Erklärungen zu den Begriffen und Themen, die im Vorfeld in der spielerischen Form aufgearbeitet wurden.

  • Was heißen wissenschaftlich begründet Begriffe „Nationalismus“, „Rechtsextremismus“, „Menschenfeindlichkeit“, „Rassismus“?
  • Was ist die freiheitlich demokratische Grundordnung?
  • Wie weit sind rassistische bzw. menschenfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft verbreitet? Wie sieht das im Europäischen Vergleich aus?
  • Auf welche Ideengeber und Theorien fusst die sog, Neue Rechte? Wie lässt sich Rechtspopulismus fassen und definieren? Wer gehört zu diesem Bereich?
  • Welche neonazistischen Gruppen und Parteien gibt es in Sachsen?

Diese Fragen wurden im Seminar besprochen und diskutiert, mit einer klaren Botschaft, dass diese Themen für MigrantInnen im Integrationsprozess eine wichtige Rolle spielen. Sie sollen vertieft, aufbereitet und unbedingt in der Zielstellung des neu gegründeten Dachverbandes sächsischen Migrantenorganisationen (DSM e.V.) aufgenommen werden.

V. Steinhauer,
Leiter des Projektes „Kompetenz-Dialog-Teilhabe“

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