9. Fachgespräch – Menschenfeindliche Einstellungen in Sachsen – eine Herausforderung für die Migrationsgesellschaft

Am 02. November 2017 fand im Rahmen des Projektes „Kompetenz – Dialog – Teilhabe“ das zweite Fachgespräch „Menschenfeindliche Einstellungen in Sachsen – eine Herausforderung für die Migrationsgesellschaft“ statt. Veranstaltet wurde es im Steinhaus Bautzen.

Die Idee, das Fachgespräch in Bautzen zu organisieren, hat ihre Vorgeschichte: Bautzen gilt als eine Hochburg des Rechtsextremismus. Die Stadt geriet in den letzten Jahren in Folge asylfeindlicher Kundgebungen und Proteste bis hin zu Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremen und jungen Migranten im Spätsommer 2016 in die Schlagzeilen.

Die TeilnehmerInnen sollten, wie im Projekt vorgesehen, einige konkrete Überlegungen und Vorschläge erarbeiten. Die Frage: Welchen Beitrag können MigrantInnenorganisationen in Sachsen (gemeint sind zuerst Mitglieder des Dachverbandes sächsischer Migrantenorganisationen) für ein friedliches Zusammenleben und gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit leisten? Der in Bautzen tätige Verein „Leuchtturm – Majak e. V.“ könnte dabei eine wichtige Rolle spielen – als Mitglied des DSM und Partner vor Ort bei der Bewältigung entstehender, teils spezifisch sächsischer Integrationsprobleme.

Um beim Fachgespräch sachlicher zu diskutieren, sollten die TeilnehmerInnen sich zu Themen wie z. B. der Bedeutung der Jugendarbeit vorher Gedanken machen. Besonders in den Bereichen Sport, Kultur und politische Bildung könnten die MigrantInnenorganisationen ihren nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Bewältigung menschenfeindlicher Einstellungen in Sachsen leisten. Einige Überlegungen dazu wurden skizziert; manche von ihnen stützen sich auf die Erfahrungen des Verbandes „Integrationsnetzwerk Sachsen“ als Vorgänger des DSM.

Die ausgewählte Richtung der Diskussion hat auch die Themen der Impulsreferate bestimmt. Im ersten Impuls wurde die sächsische Situation aus der Perspektive der RAA-Opferberatung betrachtet und der Frage nachgegangen, was heißt das für in Sachsen lebende MigrantInnen? Das zweite Impulsreferat widmete sich dem Projekt „Wie geht´s?“ – Sprachanimation für Alle des Verbandes „djo-Deutsche Jugend in Europa LV Sachsen e. V. Es handelt sich um ein Empowerment-Projekt für junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund. Beide Referate haben sehr guten inhaltlichen Stoff für die Diskussion gegeben. Die Beteiligung vieler neuer Akteure vor Ort, die nicht zu dem Stammteam des Projektes gehören, brachte noch mehr Energie in die Debatte.

Es wurde z. B. diskutiert, warum rassistisch motivierte Delikte in Sachsen in der letzten Zeit zurückgegangen sind, welche Rolle dabei die AfD-Erfolge spielen, welches rechtsextremes Potenzial es (noch) gibt und was im Vorfeld der sächsischen Landtagswahl 2019 zu erwarten ist.

Bei der Jugendarbeit war besonders wichtig zu diskutieren, was erforderlich ist, um die jungen MigrantInnen zu den Maßnahmen einzubeziehen, sie mit den zahlreichen Angeboten zu erreichen und zu bewegen, selbst aktiv zu werden.
Im Ergebnis wurde nochmals betont, dass MigrantInnenorganisationen und besonders DSM nicht nur alsPartner bei Integrationsproblemen, sondern aktiv als politische Akteure in Sachsen auftreten.

V. Steinhauer,
Leiter des Projektes „Kompetenz-Dialog-Teilhabe“

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