Internationaler Frauentag am 8. März 2022

Heute ist der internationale Frauentag – feministischer Kampftag – Weltfrauentag.

Wir möchten diesen Tag dafür nutzen, euch zwei der jüngsten Mitgliedsorganisationen des DSM vorzustellen, die mit ihrem Verein, ihren Projekten und Angeboten wichtige Arbeit für Frauen mit Migrationsgeschichte in Sachsen leisten und diese auf ganz unterschiedliche Weise und in verschiedenen Bereichen unterstützen. Ihre Arbeit und ihr Wirken verdient mehr Sichtbarkeit und diese möchten wir ihnen mit diesem Beitrag ein Stück weit verleihen. Die Vertreterinnen beider Vereine haben wir abgesehen zu ihren Vereinen auch hinsichtlich ihrer Meinungen, Wünsche und Forderungen zum heutigen Frauen(kampf)tag befragt.

 

Haus der Frauen e.V. in Zwickau

 Letztes Jahr durfte der DSM den in Zwickau ansässigen Verein „Haus der Frauen e.V.“ als neues Mitglied bei sich begrüßen. Mehr zu den Hintergründen, wie der Verein überhaupt entstanden ist und welche Idee hinter ihm steckt, hat uns die Gründerin des Vereins Gül Eylem Kaplan erzählt. Während ihrer Arbeit als Integrationskoordinatorin in Werdau hat sie viele Frauen mit Migrationsgeschichte kennengelernt, wobei viele von ähnlichen Problemen berichteten: die Schwierigkeit Anschluss zu finden, die Schwierigkeit teilzuhaben am kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Leben vor Ort, die Schwierigkeit sichtbar zu sein und wahrgenommen zu werden. Daraus wuchs die Idee, Frauen mit Migrationsgeschichte in Zwickau einen Ort zu geben, wo sie sich treffen, begegnen und kennenlernen können. Damit sie Anschluss finden und die Möglichkeit haben, sich über ihre Interessen, Bedürfnisse und Alltagsprobleme auszutauschen. Aus dieser Idee erwuchs schließlich der Verein „Haus der Frauen e.V.“, welcher Ende 2020 gegründet wurde.

 

Die Hauptzielgruppe des Vereins sind Frauen mit Migrationshintergrund. Der Verein verfolgt dennoch auch das Ziel, Begegnungen zwischen Einheimischen und Migrant*innen vor Ort in Zwickau zu ermöglichen und einen Raum zu schaffen, wo alle miteinander ins Gespräch kommen, sich kennenlernen, sich austauschen und Kontakte knüpfen können. Dass solche Angebote auch wahr- und angenommen werden, sobald Räume dafür geschaffen werden, zeigte sich schon bei der Eröffnungsveranstaltung des Vereins, wo neben Netzwerkpartner*innen auch allgemein interessierte Menschen vor Ort waren, erste Begegnungen stattfanden und sogar erste Freundschaften geknüpft wurden.

Seit seiner Gründung wurde der Verein jedoch auch vor Herausforderungen gestellt: es musste um Fördermittel und Räumlichkeiten gekämpft werden. Die Pandemie kam erschwerend hinzu. Obwohl viele Veranstaltungen auf Grund der pandemischen Lage nicht durchgeführt werden konnten, blieb das Interesse der Frauen an dem Verein sehr groß. Im Zuge der verbesserten äußeren Umstände plant der Verein nun wieder regelmäßige Treffen abzuhalten. Überhaupt bietet das Haus der Frauen verschiedene Angebote an: Offene Frauentreffen, Frauennachmittage, Spielnachmittage für Kinder, Jugendtreff am Sonntag. Seit Februar bieten Jugendliche im Verein auch ehrenamtlich und niederschwellig Selbstverteidigungskurse für Kinder an. Ab April sind weitere Veranstaltungen wie Tanzkurse für Frauen, regelmäßige Frauenfrühstücke und weitere Angebote geplant. Zu diesem Zeitpunkt ist der Verein möglicherweise auch schon umgezogen, neue Räumlichkeiten sind zumindest schon in Aussicht.

Auf die Frage hin, wie sie persönlich zu dem heutigen Tag steht, stellt Gül Eylem Kaplan vom Haus der Frauen e.V. insbesondere eines heraus: Für sie ist es sehr wichtig, dass darüber gesprochen und sich damit auseinandergesetzt wird, für was dieser Tag überhaupt steht, was er bedeutet, was seine Hintergründe und Ursprünge sind.Passenderweise bietet das Haus der Frauen e.V. gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartner*innen genau heute – anlässlich des internationalen Frauen(kampf)tages – dazu verschiedene Austausch- und Informationsangebote in ihren Vereinsräumen an.

 

Frauenförderwerk Dresden e.V.

Kurz vor Beginn des neuen Jahres konnte der DSM einen weiteren Verein für sich gewinnen:  das „Frauenförderwerk Dresden e.V.“ Zwar ist der Verein beim DSM eines der jüngeren Mitglieder, insgesamt gibt es den Verein jedoch schon viel länger: Das Frauenförderwerk Dresden e.V. wurde bereits 1991 gegründet und engagiert sich seither für Chancengleichheit von Frauen und Männern.

Die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Mädchen sowohl in der Gesellschaft als auch auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt gehört zu den Zielen des Vereins. Dabei setzt sich das Frauenförderwerk Dresden für eine Verbesserung der sozialen und beruflichen Situation von Frauen und Mädchen insgesamt als auch speziell für die berufliche und soziale Integration von Migrantinnen ein. Der Verein berät und unterstützt Frauen und Mädchen in schwierigen Situationen und unterstützt Weiterbildungsangebote zur Förderung ihrer Kompetenzen und beruflichen Chancen.

Zu den Zielgruppen des Vereins gehören Frauen und Mädchen und insbesondere jene, die sozial benachteiligt oder alleinerziehend sind sowie auch Migrantinnen – besonders Mütter mit Migrationshintergrund. Zur Verwirklichung seiner Ziele hat der Verein eine Vielzahl von Projekten und Angeboten auf den Weg gebracht, wie z.B. Projekte zur Berufsorientierung für junge Mädchen („Girls‘ Day Akademie Dresden“), Informations-, Beratungs- und Hilfsangebote für alleinerziehende Mütter und Väter („Alleinerziehenden Netzwerk Dresden AND“ und die „Fach- und Anlaufstelle für Alleinerziehende in Ostsachsen FASAOS“) oder auch Projekte zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf („Kinderbetreuung durch LeiOmas“).

Nähere Einblicke in ein Projekt des Vereins hat uns Dr. Natalia Klassen gegeben. Sie ist beim Frauenförderwerk Dresden e.V. Leiterin des Projekts „Angekommen – das Projekt für Mütter mit Migrationshintergrund“ – ein integrations- und berufsorientierendes Qualifizierungsprojekt, welches sich speziell an Mütter mit Migrationshintergrund in Dresden richtet. Bei dem Projekt besuchen die teilnehmenden Mütter zwei Mal pro Woche Kurse, bei denen sie u.a. gezielte Hilfe zur Orientierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt und Bewerbungstraining bekommen sowie regionale Firmen kennenlernen, Betriebe besichtigen oder auch berufsbezogene Praktika absolvieren können. Durch die Seminare und Trainings sowie auch die Einzelcoachings werden während des Projekts zudem nicht nur die Sprachkenntnisse von den Teilnehmerinnen verbessert und ausgebaut, sondern auch das Selbstwertgefühl, die Selbsteinschätzung und vor allem die Selbstverantwortung gestärkt. Das Projekt dient der Stärkung der interkulturellen Kompetenzen der Frauen, sowie ihrer sozialen, beruflichen und individuellen Integration.

Mit Blick auf den heutigen Tag beklagt der Verein, dass in Sachen Geschlechtergerechtigkeit bisher viel zu wenig konkrete Ergebnisse erreicht worden sind und betont gleichzeitig, dass es einen gleichstellungspolitischen Aufbruch braucht, der die Gesellschaft in allen Bereichen stärkt. „Geschlechtergerechtigkeit ist ein konstituierendes Element von sozialer Demokratie“, so das Frauenförderwerk Dresden e.V., „und gehört deshalb zu den Aufgaben unserer Arbeit“.

 

+++ Wir möchten uns ganz herzlich bei den Ansprechpartnerinnen beider Vereine für Ihre Zeit und vor allem für ihre tolle Arbeit bedanken und wünschen ihnen sowie allen Frauen* dieser Welt einen tollen und starken (Kampf)Tag! +++

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